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Fitness & Sport Militärischer Nahkampf

Published on März 17th, 2017 | by redakteur

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Militärischer Nahkampf, Gjogsul und SaCO

So viele Fremdworte 🙂 Dann will ich mal zu etwas mehr Durchblick beitragen.

Übungswaffen Militärischer NahkampfMilitärischer Nahkampf bezeichnet grundsätzlich die Zweikampftechniken, die in den verschiedenen Armeen der Welt ausgebildet werden und die den Gegner möglichst schnell und effektiv töten bzw. zumindest kampfunfähig machen sollen. In der Nationalen Volksarmee (NVA) der ehemaligen DDR gab es neben dem im Dienst vermittelten Programm noch eine zusätzliche Freizeitsportvariante – die „Militärsportart Militärischer Nahkampf“ (MNK).

Anfang der 1980er Jahre erhielt die Nahkampfausbildung in der NVA eine bedeutende Aufwertung und strikte Neuausrichtung in Richtung Karatetechniken. Eine Ursache dafür waren auch die Erfahrungen der Sowjets in Afghanistan sowie die Neubeurteilung der geopolitischen Lage.

1988 wurden dann im Luftsturmregiment-40 der NVA in Lehnin bei Potsdam drei 3wöchige Lehrgänge in Gjogsul durch nordkoreanische Ausbildungsoffiziere durchgeführt. Frank Pelny erstellte nachfolgend eine Dokumentation darüber, die als Dienstvorschrift eingeordnet und somit in das bestehende Nahkampfprogramm integriert wurde und dieses ergänzte.

KampfmesserDas Ergebnis war ein methodisch aufgebautes Ausbildungsprogramm, dass unterschiedliche Bedürfnisse des Militärischen Nahkampfes hervorragend abdeckte: Techniken unter Nutzung der Mpi Kalaschnikov, Messertechniken, Klappspatentechniken, waffenlose Techniken, Wurf-, Hebel- und Falltechniken, Postenüberfälle und Griffbefreiungen. Ergänzend gab es den Freizeitsport Militärischer Nahkampf.

Leider sah man nach der Wiedervereinigung in der Bundeswehr zum damaligen Zeitpunkt keinen Bedarf, dieses Potential aus der NVA zu übernehmen. Noch heute verfügt die Bundeswehr über kein einheitliches und systematisiertes Nahkampfsystem (Okay, die Bundeswehr gibt es ja auch erst seit 42 Jahren!). Jede Einheit favorisiert eigene klassische Kampfsysteme, von Wing Tsun über Krav Maga und Ju-Jutsu bis zu gar keinem Nahkampftraining. Deutsches Mittelalter –  katastrophal!

Gjogsul, auch Gjok-sul, ist die Bezeichnung für das Nahkampfsystem der Volksarmee der Koreanischen Demokratischen Volksrepublik (Nordkorea).

Nordkoreanische KampfkunstAls Entstehungszeitpunkt dieses Zweikampfsystems wird das Jahr 1926 genannt. Zu dieser Zeit war Korea von den Japanern besetzt. Der damalige Führer der koreanischen Widerstandskämpfer und spätere 1. Präsident der Koreanischen Demokratischen Volksrepublik, Kim Il Sung, trainierte mit seinen Getreuen diese speziellen Nahkampftechniken, die aus dem traditionellen koreanischen Systemen Subak und Taekyon entstanden sind.

Seit dem hat sich dieses System in der Praxis nicht nur gegen die damaligen japanischen Besatzer bewährt, sondern auch gegen die körperlich überlegenen US-Amerikaner (Koreakrieg 1950-53) und es bildet noch heute ein wesentliches Ausbildungselement in den nordkoreanischen Streitkräften. Jeder Armeeangehörige erhält während seines mehrjährigen Grundwehrdienstes eine Gjogsul-Ausbildung. Für Spezialisten sind 300-400 Stunden Gjogsul-Training pro Jahr keine Seltenheit. Auch gibt es innerhalb des Gjogsul ein System für den speziellen Zweikampf im und unter Wasser.

Stand Gjogsul früher unter dem absoluten Geheimnisschutz, werden in jüngerer Zeit sogar Vorführungen vor Touristengruppen durchgeführt.

Militärischer NahkampfGeschichtliche Hintergründe, das komplette Gjogsul-Lehrgangsprogramm von Lehnin 1988 und vieles mehr hat Frank Pelny in seinem Buch „Gjogsul – Militärischer Nahkampf in der NVA“ (ISBN 3-8334-2228-9) beschrieben. Es wird inzwischen von vielen Fachleuten als das beste Buch über dieses Thema bezeichnet.

SaCO heißt „Self-Defense and Close Combat Organization“, wurde 1995 von Frank Pelny gegründet und verbindet in sich eine moderne systematisierte Selbstverteidigung nach rechtsstaatlichen Grundsätzen mit Elementen des Militärischen Nahkampfes (MNK) der Nationalen Volksarmee (NVA) der ehemaligen DDR und des darin enthaltenen nordkoreanischen Gjogsul.

Der Name ist Programm – es wird nicht Kampfsport gelehrt, sondern das Prüfungsprogramm ist konsequent auf die Steigerung der Fähigkeiten in der Selbstverteidigung (Schülergrade) und im Militärischen Nahkampf (Meistergrade) ausgerichtet. Dabei werden Fähigkeiten in den Bereichen waffenlose Techniken, Griffbefreiungen, Nutzung von Waffen bzw. Hilfsmitteln, Bodenkampf sowie rechtliche und psychologische Grundlagen vermittelt.

Mehr Informationen findet man im Internet unter www.saco-defense.de

Self Defense and Close Combat LogoÜber den Autor:

Frank Pelny diente 10 Jahre in Spezialeinheiten der NVA und war nach der Wiedervereinigung einige Jahre als Dozent an einer Sicherheitsakademie tätig.   Heute ist er hauptberuflich als Kampfkunstlehrer und international tätiger Trainer aktiv. Neben der SaCO-Selbstverteidigung unterrichtet er vor allem Shôtôkan-Karate-Dô (6. DAN) und Ryûkyû Kobudô (5. DAN). Regelmäßig leitet er Seminare in Russland, Belorussland, Kanada, Sri Lanka und Deutschland.

Außerdem ist er Autor einer umfangreichen Buchreihe über die Waffen und Historie des Ryûkyû Kobudô („Ryûkyû Kobudô Tesshinkan“ Teile 1-3 und Compendium, „Ryûkyû Kobudô – weapons“ Teile Tekkô und Nunchaku).

Fotos: © Frank Pelny

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