Fitness & Sport russische krieger

Published on Juni 8th, 2013 | by Sebastian D.

1

Kampfkunst-Trend: Systema

Systema – die Wiederentdeckung einer altrussischen Kampfkunst

Im Erlernen der Kampfkunst sich selbst erkennen und den Gegner dahin führen, wo man ihn haben möchte. Dies sind kurzgefasst die Grundlagen der wieder entdeckten russischen Kampfkunst Systema. Nicht umsonst lautet der zwar weniger bekannte, jedoch um so aufschlussreichere Namen von Systema „Poznai Sebia“, was so viel bedeutet wie „Erkenne dich selbst“. Dementsprechend stellt Systema niemanden vor unlösbare Aufgaben, denn die Fähigkeiten, die der Kämpfer benötigt, liegen ausschließlich in ihm selbst. Diese Fähigkeiten zu erkennen, sie zutage zu fördern, zu schulen und schließlich gezielt anwenden zu können – das ist das Ziel von Systema.
Systema zeigt sich damit als eine Kampfkunst für jedermann, ganz gleich welcher körperlichen Verfassung. Sie steigert durch das ganzheitliche Training das gesamte Wohlbefinden auf körperlicher und seelischer Ebene.

 

Der Ursprung von Systema – eine Kampfkunst aus der Tiefe der russischen Seele

Die Entstehung der russischen Kampfkunst wird in das 10. Jahrhundert zurückdatiert. Ihre Kraft für unerbittliche Kämpfe gegen unterschiedlichste Gegner, in extremen Klimazonen und Terrains schöpften die russischen Krieger aus ihrem tief verwurzelten Glauben.
Die Elitetruppe der russischen Streitkräfte waren die Kosaken. Von Kindheit an wurden die Jungen von ihren Familien, später von Ausbildern oder in Klöstern in der Kunst des Kampfes trainiert. Über die Jahrhunderte hinweg konnten sich die Kosaken in der ersten Reihe der Streitkräfte etablieren, bis mit der Machtergreifung der Kommunisten 1917 die Unterdrückung aller nationalen Traditionen begann. Doch selbst in den Reihen der kommunistischen Polizei und Armee blieb die Schlagkraft der legendären Kosaken in Erinnerung. Aus diesem Grund wurden überlebende Erbkosaken für die Armee verpflichtet. Damit war die Grundlage gegen das Vergessen geschaffen.

In der Sowjetunion entwickelte sich dabei auch das berühmte Sambo, welches als sogenanntes Combat Sambo auch heute noch bei Polizei, Militär und Geheimdienst trainiert wird. Einer der Begründer dieser Kunst war der Kriegsveteran Viktor Spiridonov, welcher zusätzlich die wenig bekannte Variante Samoz entwickelte. Samoz war darauf ausgerichtet, so ökonomisch wie möglich zu sein, was die Bewegungen anging, d.h. mit einem Minimum an Kraftaufwand das meiste zu erreichen. Es sollte auch schwächeren und kleineren Kämpfern einen Vorteil gegenüber großen und kräftigen Gegnern verschaffen. Samoz soll daraufhin von Stalins Leibwächtern und in der staatseigenen Sportorganisation Dynamo praktiziert worden sein. Hier liegt die Grundlage für die modernen russischen Nahkampfsysteme, einschließlich Systema.

 

Die Philosophie von Systema – den Menschen zum Menschen machen

Systema – der Name steht bezeichnend für das Programm: Durch das regelmäßige Training in den verschiedenen Kampftechniken (Nahkampf, Bodenkampf, Waffenkampf und Gesundheit) erarbeitet sich der Student ein System von Konzepten und Übungen, die eine deutliche Verbesserung seiner Lebensqualität zur Folge haben. Die religiöse Orientierung von Systema erklärt das positive Menschenbild, das der Kampfkunst zugrunde liegt. Dieses Menschenbild möchte erreichen, dass jeder Einzelne zu jeder Zeit fähig ist, die Situation und sich selbst völlig zu kontrollieren. Gleichzeitig setzt dieses Menschenbild aber auch einen Meilenstein im Umgang mit dem Gegner. Er soll nicht nur besiegt werden. Der Systema-Kämpfer überzeugt ihn gleichermaßen davon, dass er ihn dahin führt, wo er besser aufgehoben ist.
Damit dieses Ziel erreicht werden kann, greift die umfassende Ausbildung auf körperlicher, seelischer und spiritueller Ebene.

All dies hört sich theoretisch und wohl überlegt an. Das ist Systema auch. Trotzdem wird der Neuling in einer Trainingseinheit überrascht sein, von dem Klima des Wohlwollens, das dort herrscht. Ruhe und Ausgeglichenheit, Heiterkeit und eine entspannte Atmosphäre begleiten die Ausbilder und die Studenten während der ganzen Zeit des Trainings. Systema besteht auch nicht aus einer Vielzahl komplizierter Griffe. Die Effektivität des Systems liegt in der Natürlichkeit, der Ruhe und Einfachheit der Bewegungen. Mit der Zeit erwirbt der Systema-Student die Fähigkeit, seinen Atem bei allen Bewegungen optimal einzusetzen und dadurch Anspannungen zu vermeiden.

 

Die Grundprinzipien von Systema – drei Schritte zu einem gelingenden Leben

Die drei grundlegenden Faktoren der Kampfkunst sind die richtige Atmung, die richtige Form und der richtige Zustand. Diese drei grundlegenden Prinzipien erfahren im Training der Kampfkunst eine enge Verbindung und bedingen sich gegenseitig.

Die richtige Atmung

Alleine das Wissen um die richtige und damit effektive Atmung hilft dem Menschen, sein Leben besser zu kontrollieren. Das oft unwillkürliche Luftanhalten bei Anspannung unterbricht den lebensnotwendigen Luftstrom und lähmt Bewegungen und Reaktionen. Genau dagegen übt Systema die richtige Atmung ein. Fortlaufend, ununterbrochen soll die Atmung verlaufen, dabei wird durch die Nase eingeatmet und der Mund lässt die Atemluft wieder ausströmen. Die Nase klimatisiert die eintretende Luft und bereitet sie für den Körper auf. Die Atmung soll an die Umstände angepasst werden. Bei Anstrengungen schneller atmen, bei psychischen Belastungen tiefer und ruhiger atmen. Wer seine Atmung derart bewusst steuert, wird in herausfordernden Situationen plötzlich spüren, dass er sich ihnen gewachsen fühlt.

Die richtige Form

Auch für die richtige Form lassen sich kurze Grundsätze formulieren, die zu beachten schon im Kleinen hilfreich sein können, wie viel mehr nach dem Einüben und der Verbindung mit dem richtigen Atem. Eine gerade Haltung des Rückens und die parallele Haltung der Schultern und Hüften zum Boden stabilisiert das Gleichgewicht und hilft die eigenen Bewegungen und die des Gegners zu kontrollieren. Kleine Schritte und die andauernde möglichst fließende Bewegung verbessert das Aktions- und Reaktionsvermögen. Entspannte Bewegungen, die mit minimalem Kraftaufwand ausgeführt werden, ergänzen die richtige Kampfform und sorgen für einen harmonischen, sicheren und ökonomischen Bewegungsablauf. Begleitet durch dich richtige Atmung kommt der fleißige Student in die Lage, sogar in ausweglos scheinenden Situationen das Kampfgeschehen zu kontrollieren.

Der richtige Zustand

Dieser Zustand besteht aus einer geistigen, einer seelischen und einer körperlichen Komponente und darf zu Recht als Kernprinzip der Kampfkunst bezeichnet werden. Dieser Zustand setzt im oben beschriebenen Menschenbild der Kampfkunst an und kann durch die Form und die Atmung mit der Zeit gezielt gesteuert und beeinflusst werden.

 

 

Lehrer und Vereine

Systema Akademien können in Berlin und Augsburg gefunden werden. Die Internetseite von Systema-Ost e. V. informiert über Vereine und Ansprechpartner in ganz Deutschland.

 

Foto: © morguefile.com – chilombiano


About the Author

ist ein absoluter Fitness-Freak und Kampfkunst-Fanatiker. Wenn er nicht gerade Artikel für mannblogger schreibt, ist er an den Stränden Europas bei seinen drei Lieblingstätigkeiten zu finden: Trainieren, Surfen und Feiern.



One Response to Kampfkunst-Trend: Systema

  1. Rafael "Ironfist" McDaniels says:

    Schade das es so wenig Literatur zum Thema Systema gibt. Ich habe mir die beiden von euch empfohlenen Bücher bereits durchgelesen. Jetzt arbeite ich die einzelnen Videos durch. Ihr solltet zusätzlich zu „Let every breath…“ auch noch den Link zur DVD hinzufügen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Back to Top ↑